Projekt C3

Berufliche Rehabilitation und Integration psychisch Kranker im Rahmen ambulanter Maßnahmen - Untersuchung zweier Einrichtungen mit gemeindenahem Konzept

Projektleitung: Prof. Dr. P. Brieger (1)
Projektteam: Dr. S. Watzke (1), Dipl.-Psych. A. Galvao (1), Dipl.-Psych. B. Gawlik (2), Dipl.- Sozialarbeiter M. Hühne (3), Prof. Dr. Dr. A. Marneros (1)
Institutionen: (1) Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Fakultät, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
(2) RPK gGmbH Halle,
(3) Integrationsbetriebe Halle 2000 (TSE gGmbH)
Förderer: DLR
Kooperationen: RPK gGmbH Halle, Integrationsbetriebe Halle 2000 (TSE gGmbH)

Hintergrund:

Um psychisch kranken Personen nach krankheitsbedingtem Ausfall den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen, bedürfen sie häufig besonderer Rehabilitationsleistungen (Pörksen, 2002). Laut einem im Jahr 2001 vorgelegten Armutsbericht des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung sind nur wenig mehr als die Hälfte der Menschen mit psychischen Erkrankungen erwerbstätig oder in Ausbildung (BMfAS, 2001). Konzepte und Angebote der beruflichen Rehabilitation und Integration existieren in Deutschland in vielfältiger Form. Jedoch erfolgen nur etwa ein Prozent aller beruflichen Rehabilitationsmaßnahmen bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, obwohl diese einen erheblich größeren Anteil an der Zahl dauerhaft behinderter Menschen ausmachen (Murrayet al, 1996; Rössleret al, 1996).

Ziele und Fragestellungen:

In zwei gemeindenahen Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation und Integration der Stadt Halle/Saale – der RPK Sachsen-Anhalt und der TSE gGmbH – wurden die Teilnehmer beider Einrichtungen im Maßnahmeverlauf und darüber hinaus begleitet und mehrdimensional untersucht und einer nicht rehabilitierten Vergleichsgruppe gegenübergestellt.
Insbesondere wurden folgende Fragestellungen betrachtet:

  • Welche Effekte haben die Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation auf Rehabilitanden im Vergleich zu einer Kontrollgruppe? Es werden nicht nur Aspekte der beruflichen Entwicklung sondern auch des Befindens, der Bedürfnisse, der Lebensqualität, der Behinderung und der individuellen Bewertung des Erfolgs durch die Rehabilitanden erfasst und mit einer Kontrollgruppe verglichen werden, die nicht rehabilitiert wurde. Welche positiven und negativen Prädiktoren können für die beobachteten Effekte beschrieben werden?
  • Wer wird rehabilitiert bzw. "integriert"? Wie sind die medizinischen, sozialrechtlichen und individuellen Zugangswege zur Rehabilitation bzw. zur Integrationsfirma?
  • Wie ist der individuelle Rehabilitationsverlauf während der Maßnahme? Gibt es Prädiktoren eines problematischen oder günstigen Verlaufes?

Studiendesign:

Zwischen Juli 2002 und Juli 2003 wurde eine Totalerhebung aller Maßnahmeneueinsteiger der RPK Sachsen-Anhalt und TSE gGmbH durchgeführt. Von insgesamt 157 Personen konnten 123 Teilnehmer für eine Studienteilnahme gewonnen werden. 28 Personen lehnten eine Studienteilnahme ab, 8 Personen brachen die Maßnahme vor Untersuchungsbeginn, d.h. innerhalb von zwei Wochen nach Maßnahmeeintritt ab. Die Indexgruppe wurde zu vier Zeitpunkten (zum Maßnahmeeintritt, nach sechs Monaten Verbleib in der Maßnahme, zum Maßnahmeaustritt und neun Monate nach Austritt aus der Maßnahme) mehrdimensional mündlich und schriftlich befragt.
Parallel dazu wurden 75 nicht rehabilitierte, aktuell sich nicht in Arbeit befindliche und bezüglich Alter, Geschlecht und Leitdiagnose mit der Indexgruppe gematchte Personen als Vergleichsgruppe rekrutiert. Ausschlusskriterien waren darüber hinaus das Vorliegen einer Frühberentung und eine aktuelle stationär-psychiatrische Versorgung. Die Vergleichsgruppe wurde zu zwei Zeitpunkten untersucht – simultan zu T3 der Indexgruppe und neun Monate später.
Es wurde zu allen Messzeitpunkten die aktuelle berufliche, soziale und medizinische Situation erhoben. Des Weiteren wurden Merkmale beruflicher Eignung, dimensionale Psychopathologie, Bedürfnisse, Behinderung und Maße der subjektiven Lebensqualität erfasst. Im Rahmen der Einschlussuntersuchung wurden darüber hinaus eine detaillierte Erfassung des bisherigen beruflichen Werdegangs, eine umfassende psychiatrische Diagnostik gemäß DSM-IV, eine Einschätzung des prämorbiden Anpassungsniveaus, der Persönlichkeit, der individuellen Leistungsmotivation und ein Intelligenzscreening durchgeführt. Für die Teilnehmer der Indexgruppe wurde außerdem eine fortlaufende Erfassung der Zufriedenheit hinsichtlich der Maßnahme und der eigenen Entwicklung und Leistungsfähigkeit realisiert.

Ergebnisse:

Eine Kurzfassung des Abschlussberichtes zu diesem Projekt können Sie hier downloaden (pdf- Dokument, 103 kB).
Das Projekt C3 wurde im Jahr 2006 ausgezeichnet mit dem 5. Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP).

Publikationen:

Brieger P, Becker Th, Bäuml J, Pitschel-Walz G, Weig W (2007): Bedeutung der Rehabilitation bei schizophrenen Erkrankungen. In: Becker Th, Bäuml J, Pitschel-Walz G, Weig W (Hrsg.): Rehabilitation bei schizophrenen Erkrankungen. Konzepte - Interventionen – Perspektiven. Köln, Deutscher-ärzte Verlag, S. 3-16

Brieger P, Watzke S, Galvao A, Hühne M, Gawlik B (2006): Wie wirkt berufliche Rehabilitation und Integration psychisch kranker Menschen? Ergebnisse einer kontrollierten Studie. Bonn, Psychiatrie-Verlag

Watzke S, Galvao A, Gawlik B, Hühne M, Brieger P (2006): Maßnahmeabbrecher in der beruflichen Rehabilitation psychisch kranker Menschen. Psychiatrische Praxis, 33: 124-31.

Watzke S, Galvao A, Gawlik B, Hühne M, Brieger P (2006): Change in work performance in vocational rehabilitation for subjects with severe mental illness - distinct responder groups. International Journal of Social Psychiatry,52: 309-23.

Galvao A, Watzke S, Gawlik B, Hühne M, Brieger, P (2005): Vorhersage einer Verbesserung des beruflichen Status chronisch psychisch Kranker nach rehabilitativen bzw. integrativen Maßnahmen. Die Rehabilitation, 44, 208-214.

Watzke S, Galvao A, Gawlik B, Hühne M, Brieger P (2005): Ausprägung und Veränderung der Arbeitsfähigkeiten psychisch kranker Menschen in der beruflichen Rehabilitation. Psychiatrische Praxis, 32, 292-298.

Watzke S, Brieger P (2004): Neuropsychologische Diagnostik in der beruflichen Rehabilitation schizophrener Menschen. Fortschritte der Neurologie und Psychiatrie, 72, 643-651.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Peter Brieger
Bezirkskrankenhaus Kempten
Freudental 1
87435 Kempten
und Medizinische Fakultät der Universität Ulm
E-Mail: peter.brieger@bkh-kempten.de